Wen interessiert schon „Peter und der Wolf“, wenn man Pauli und der Bernhardiner haben kann? Richtig, niemanden! Naja, zumindest mich nicht. Was vorallem daran liegt, dass mir als Kind „Peter und der Wolf“ irgendwie immer zu intellektuell war. Aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls hat nun in Wien ein neues Restaurant aufgemacht: das „Paul“ in der Johannesgasse. Und nachdem gestern Babysitterabend war, wollten wir diesem mal auf den Zahn fühlen.Inline-Bild 1

Atmosphärisch ist das Lokal eine sehr gelungene Mischung aus rustikalem Hirschgeweih-Ambiente und großstädtischem Bobo-Chic. Das Service ist sehr freundlich und das kulinarische Angebot ausgezeichnet – bodenständig und wienerisch, zu schönen Preisen (Beef Tartare als Vorspeise EUR 12,50 und das Wiener Schnitzel vom Kalb mit Erdäpfelsalat um EUR 18,50). 

Die Weinkarte ist Zucker!! Nicht sehr umfangreich, aber fein sortiert und wirklich gut kalkuliert. Da gibt es z.B. den grandiosen Bela Rex 2009 (96 Falstaff Punkte) um EUR 72,-,  oder auch zwei der sagenumwobenen, ultra-seltenen Gantenbein-Gewächse aus der Schweiz. Beide ebenfalls relativ „preisgünstig“: der Pinot Noir 2011 um EUR 95,- und der Chardonnay 2010 um EUR 135,-. Diese Weine gibt es in Österreich kaum irgendwo (also zumindest sind sie mir bisher nicht untergekommen) und wenn, dann kosten sie – im Handel – soviel wie beim Paul im Restaurant.

Meine Frau hat aus dem paradiesischen Angebot einen Wein ausgesucht, den sie schmunzelnd als „Der Bernhardiner“ bezeichnet hat. Ein Blick auf die Weinkarte ließ erkennen, dass es sich um einen Chateauneuf du Pape „La Bernardine“ 2012 vom Weingut Chapoutier handelt.

Hmmm, heißt „La Bernardine“ wirklich „Der Bernhardiner bzw. eigentlich die Bernhardiner-Hündin“ ? Das könnte eine Falle sein! Sie ist dem Französischem nämlich viel mächtiger als ich es bin, und es wäre nicht die erste diesbezügliche Falle in die ich – komplett sprachenuntalentiert – hinein getapst wäre. Sie hat aber gleich zugegeben, dass sie auch keine Ahnung hat und eine kurze Recherche ergab, dass der Bernhardiner im Französischen saint-bernard heißt, wohingegen „La Bernardine“ die Behausung der Päpste in Avignon im 14. Jahrhundert war, als diese nach Streitereien aus Rom auszogen und einige Jahrzehnte dort residierten.

Aber genug der Klugscheisserei! (Die überlasse ich lieber meiner Frau, denn die kann das besser! ;-))

Wunderschönes, kräftiges Rubinrot kam da ins Glas. In der Nase wirkte der Wein eher kühl, mit Noten von Kräutern und nicht so fruchtig – aber dennoch intensiv und interessant. Meine Frau meinte, dass er nach nassem Stein rieche, also mineralisch. (Nasser Stein riecht übrigens viel besser als nasser Bernhardiner!!) Geschmacklich war der Wein dann eine Wucht, und zwar nicht nur aufgrund der gut eingebauten 14,5%. Herrlich rund, intensiv, und wie aus einem Guss. Auch hier war neben dunkeln Beeren viel Mineralik erkennbar. Ein perfekter Wein für das hervorragende und kräftige Essen, der locker noch einige Jahre an Flaschenreife verträgt.

 

 

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