Wenn man der mit Abstand berühmteste (weil einzige) Wein-Blogger in der Familie bzw. Bekanntenkreis ist, zieht man Leute – die in diesem Ruhm-Fahrwasser mit schwimmen möchten – an, wie sonst nur das Licht die Motten. So wie auch erst kürzlich bei einer Familienfeier am Ostersonntag.

Nach einem kulinarisch fantastischen Tag, der würdig mit einem Barolo 2006 von Gigi Rosso aus der Magnumflasche [Anm.: Ist wahrscheinlich ein zutiefst männliches Phänomen, aber ich persönlich finde Großflaschen schon sehr geil!] begann und mit weiteren italienischen Feinheiten (aus Montalcino und der Maremma) weiterging, hat sich dann Folgendes zugetragen.

Mein Schwager ist mit vier Flaschen Rotwein unterschiedlichster Art aus dem Keller gekommen. Darunter eine „Kellerleiche“ die fast eineinhalb Jahrzehnte im Klimaschrank – völlig unbeachtet – herumlag.

Schwager 1 (der Gastgeber, mit den Flaschen): Schaut mal, was ich da habe. Sucht Euch etwas aus. Der eine da ist sicher hin, der wäre doch etwas für Deinen Blog, oder?

Ich (studiere amüsiert die verschiedenen Flaschen): Ich bin eh immer auf der Suche nach neuen Geschichten für meinen Blog. Aha, wow! Ein Black Opal Cabernet Sauvignon 1998 aus Australien. Komisch, kenne ich gar nicht…

Schwager 2 zu Schwager 1: Den hast Du damals von mir bekommen, irgendwann vor 15 Jahren.

Schwager 1 (leicht angewidertes Gesicht): Keine Ahnung. Machen wir ihn auf?

Ich: Ja, sicher. Geradezu ideal! Vor allem, weil da hinten drauf steht, dass er am besten nach drei bis fünf Jahren schmeckt und jetzt sind ja erst 18 Jahre vergangen…

Schwager 2 (auch angewidertes Gesicht) wieder zu Schwager 1: Nein, lieber nicht. Den soll er mitnehmen und darüber schreiben, dann simma wenigstens im Internet…

So ist es dann auch geschehen. Wir haben einen italienischen Cabernet Sauvignon geöffnet [ich habe vergessen welchen, was möglicherweise den schon davor getrunkenen Flaschen geschuldet war] und ich habe den Black Opal Cabernet Sauvignon 1998 aus South Eastern Australia als Gastgeber“geschenk“ mitgenommen.

Nachdem ich mir geschworen habe, dass diese arme Flasche nicht auch noch Jahre in meinem Weinklimaschrank herumliegen soll, habe ich ihn dann auch relativ bald geöffnet. Kurzum, der Wein war nicht komplett kaputt. Ich kann schwer beurteilen, ob er jemals richtig gut war, aber er war noch trinkbar. Kaum Alterston in der Farbe. Cassisnoten in Nase und am Gaumen, aber auch halt schon so weitmaschig, dass – wäre es ein Zaun und kein Wein – man wohl mit einem Traktor durchfahren hätte können. Spaß hats wirklich keinen gemacht. Die angewiderten Gesichter waren also durchaus vorausschauend…

Lieber Charly, lieber Gerhard, ich möchte mich mit diesen Zeilen „ganz herzlich“ bei Euch für die Flasche Black Opal bedanken!

 

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