Ich bin vor einigen Tagen über ein sehr interessantes Wein Start-Up namens Hidden Gem gestoßen. Die Idee ist leicht erklärt. Man kauft Weine über deren Online-Shop ohne eine Ahnung zu haben, um welchen Wein bzw. um welchen Winzer es sich handelt. Sowohl im Shop als auch auf dem stylischen Etikett gibt es nur Informationen über Jahrgang und eine kurze Beschreibung über den Winzer, sowie einen kleinen Hinweis wohin die geschmackliche Reise gehen könnte. Alles andere muss man selbst erkosten. Anschließend  kann man mittels QR Code den Wein bewerten und bekommt die Auflösung präsentiert.

Sehr spannend. Ich habe sofort zwei Weine, einen Weiß- und einen Rotwein (0002 und 0006, so die Nummerierungen bei Hidden Gem), geordert, und zwei Tage später waren die Flaschen schon bei mir. Am Wochenende ergab sich dann im Familienkreis die ideale Möglichkeit auszuprobieren, wie gut die eigenen sensorischen Fähigkeiten sind und ob man vielleicht in Wahrheit eh überhaupt keine Ahnung von Wein hat. Ich war nervös!

Mit wenigen Hintergrundinformationen belastet sind wir an den Weißwein herangetreten und haben einen ersten Eindruck davon bekommen, was 2015 für ein Weinjahr war. In der Nase noch zurückhaltend, war er im Glas dann ein mächtiger Wein mit jeder Menge Kraft. Er wurde in der Runde sehr unterschiedlich bewertet. Von „etwas alkoholisch“ bis „gar nicht schlecht“. Spannend dann auch die Diskussion um welchen Wein es sich handeln könnte. Keine Sorge! Ich werde hier nicht verraten um welchen Wein es sich tatsächlich gehandelt hat. Ich verrate nur soviel, dass wir uns geeinigt haben und dann alle Fragen über den QR Code auf der Bewertungsseite richtig beantwortet haben. 100 Punkte also.

Damit war also völlig klar, dass wir die ganz großen Wein-Checker sind, und mit dieser Einstellung gingen wir anschließend an den Rotwein heran. Zunächst haben wir die Hintergrundinformation (Jahrgang 2015, Bio-Winzer, 12,%) auf der Flasche studiert und uns damit ein VOR-Urteil gebildet. Der erste Schluck hat unsere Vorurteile (á la „mit 12,5% kommt er als 2015er sicher nicht aus dem Burgenland, sondern wahrscheinlich eher aus einer Weißweingegend„) gleich bestätigt. Schon bemerkenswert, welchen Streich einem der Geist und die Erwartung spielen kann. Nachdem wir also schon von Anfang an am falschen Dampfer waren, haben wir dann bei der Auflösung die wohlverdienten NULL Punkte bekommen. Lange Gesichter und das sofortige Aberkennen des „Wein-Checker“ Titels waren die Folge.

Fazit: Ich finde die Idee sehr interessant. Sie lockt den Spieltrieb und kann vor allem in geselliger Runde für richtig Spaß sorgen. Blindverkosten ist alles andere als leicht, wie wir am eigenen Leib erfahren mussten. Man muss sich wirklich auf das was man riecht und schmeckt konzentrieren und darf sich nicht von Erwartungen ablenken lassen. Das kann trainiert werden, und Hidden Gem bietet eine tolle Gelegenheit dazu. Ich persönlich war aber ein wenig von den Weinen enttäuscht. Es waren beide eher Einstiegsweine von prominenten Winzern, die mich nicht so ansprechen. Mir hätte hingegen total gefallen, wenn ich – z.B. durch einen „high-end“ Wein eines noch unbekannteren Winzers (Hidden „Gempion“, haha) überrascht worden wäre.

Aber das Projekt ist ja noch jung und wird in Zukunft sicher weiter von mir verfolgt werden.

By the way: Die beiden Flaschen haben EUR 9,90 (0002) und EUR 12,90 (0006) gekostet, was ziemlich genau dem Preis der beiden Weine am freien Markt entspricht.

 

 

 

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