Die grundsätzliche Idee meines Weinblogs ist ja das Einkaufen von spannenden (manchmal sogar spektakulären) Weinen, die auf diversesten Internetplattformen angeboten werden. Ich habe so in den letzten Monaten viele Höhepunkte erleben dürfen. Dass der Kauf von vermeintlichen Schnäppchen aber auch mal gehörig daneben gehen kann, musste ich erst am Wochenende wieder einmal erleben. Inline-Bild 1

Mit dem Selbstvertrauen vieler gelungener „Coups“ der letzten Wochen in der Tasche, kontaktierte ich recht optimistisch einen willhaben.at Verkäufer (aus Wien X, eh klar), der eine Reihe an Flaschen anzubieten hatte. Alles uninteressant, mit der Ausnahme eines Alzinger Feinburgunder Smaragd 1998 und eines Nigl Riesling Hochäcker 1999. 

1998 war zwar grundsätzlich ein schwieriges Jahr, aber einige Verkostungen der letzten Zeit haben gezeigt, dass sich – vor allem – die Smaragde der großen Wachauer Winzer aus diesem Jahr noch absolut fit und lebendig zeigen. Zusätzlich war 1998 auch das letzte Jahr der Wachauer „Feinburgunder“, da danach auch in der Wachau der Begriff Chardonnay für diese Weinsorte verwendet werden durfte.

Der Riesling Hochäcker vom Nigl wiederum kommt aus einem ganz tollen Weinjahr in Österreich (1999) und ist normalerweise ebenfalls durchaus ein Langstreckenläufer, dem nicht so schnell die Luft ausgeht.

Eine kurze Internetrecherche hat zusätzlich ergeben, dass beide Weine noch in diversen Vinotheken (Fohringer, Meinl am Graben) zu kaufen sind. Eigentlich perfekte Voraussetzungen.

Ich hätte bei der Preisverhandlung schon stutzig werden sollen, da der Verkäufer das ursprüngliche Angebot von EUR 39,- (für beide Flaschen) ohne mit der Wimper zu zucken auf EUR 25,- reduziert hat. Ich glaube fast, dass er auch bei EUR 15,- sofort „ja“ gesagt hätte. Naja, immerhin dennoch weit unter dem Vinothekspreis (rund EUR 65,-). Beide Flaschen waren auch bei Abholung in einem äußerlich sehr guten Zustand. 

Am Samstag hatten wir Besuch und ich habe mich schon extrem auf den Feinburgunder gefreut. Beim Aufmachen und Einschenken ist meine Hochstimmung jedoch sofort in den Keller gerauscht. Der Kork war ganz weich und bis oben hin feucht. Tiefe Bernsteinfarbe, ein starker Alterston in der Nase und der erste Schluck brachten endgültige Gewissheit. Der ist über den Jordan gegangen. Aber es war kein natürlicher Tod, nein, es war Mord! Der muss wohl in der Sauna gelagert worden sein. Ich hab das Glas aber sicherheitshalber stehen lassen und nach 2 Stunden nochmals probiert. Noch immer tot, aber man konnte zumindest erahnen, dass dieser Wein bei richtiger Lagerung noch fein sein kann.

Vom Nigl hab ich mir dann gleich nichts mehr erwartet, und ich wurde auch nicht enttäuscht. Der Kork steckte so fest, dass er nicht mal mit roher Gewalt raus (oder rein) ging. Ich musste ein 0,5 cm breites Loch (!) in den Kork drehen (!!). Die Flüssigkeit die dann aus der Flasche raus kam, habe ich so noch nie bei einem Wein gesehen. Braun und wässrig. Den hat man ganz offensichtlich regelmäßig ins Solarium mitgenommen.

Einsatz: EUR 12,5 / Flasche
Gewinn: Totalverlust

 

 

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