Nachdem unser allererster – sportlich aus eigener Kraft erworbener – Auftritt bei einer Fussball Europameisterschaft keine 100 Tage mehr vor uns liegt, muss man als gewissenhafter Fan langsam mit der akribischen Vorbereitung auf die kommenden Aufgaben beginnen. Am 14. Juni starten wir um 18:00 in Bordeaux (!) gegen Ungarn in die Gruppenphase.Inline-Bild 1

Nachdem sich Marcel Koller selbst vor dem vermeintlich einfachen Spiel gegen Liechtenstein insgesamt 14 Partien des kommenden Gegners angesehen hat, ist es wohl nur recht, wenn ich mir die Ungarn wein-technisch etwas genauer ansehe.

Das Anschauungsmaterial habe ich über willhaben.at von einem Sportskameraden aus dem (wieder einmal) zehnten Wiener Gemeindebezirk bekommen. Jeweils einen 2011er Cabernet Sauvignon und einen Cabernet Franc des Weinguts Horváth Pince – Hógyész. (Preis EUR 3 pro Flasche). Mein erster Eindruck: Fesche Trikots! Aber nachdem wir (spätestens seit dem Etikettenschwindel) wissen, dass es auf den Inhalt ankommt, mussten unsere ersten Gegner am Wochenende Farbe bekennen.

Ungarn

Beim Öffnen der ersten Flasche (der Cabernet Sauvignon) war die taktische Marschrichtung der Ungarn sofort offensichtlich. Der CS war dunkelrot, in der Nase und am Gaumen eigentlich nicht wirklich typisch, da sehr tanninlastig, kräftig und robust. Wir müssen uns also auf eine knallharte Defensive einstellen. Da ist kein spielerisch leichtfüssiges Scheiberlspiel – vorgetragen von spielstarken Feinmotorikern – zu erwarten, sondern eine massive Verteidigung von äußerst athletischen und schmählosen Kraftprotzen. So einen Wein will man als Stürmer eigentlich nicht unbedingt zum Gegner haben.

Am nächsten Tag hatte ich leichtes Kopfweh (nicht von der kleinen Menge die ich gekostet habe, sondern wohl vom Tannin). Puuuh, hoffentlich hauen uns die nicht aus „de Bock“.

Niemand hat gesagt, dass eine Gegnerbeobachtung leicht sei, und somit wurde mittels Verkostung des Cabernet Franc unmittelbar danach der zweite Mannschaftsteil der Ungarn genauer unter die Lupe genommen – die Offensive. Auch wenn auch hier eher auf Kampf gesetzt wird, präsentiert sich diese doch leichtfüssiger und etwas verspielter als die Defensive. Der CF ist optisch weniger dunkel, auch mit weniger Tannin und einer feineren Säure ausgestattet. Insgesamt zugänglicher und fruchtiger als der CS. Da ist schon Spaß am Spiel zu erkennen, und wir werden da schon etwas aufpassen müssen.

Fazit: Die Ungarn sind schon sehr ok. Klar, man qualifiziert sich nicht einfach so für eine EM. Wenn wir aber unsere Leistungen abrufen können (und von Glasbruch und Kork verschont bleiben), starten wir mit einem verdienten Sieg ins Turnier.

Meine Vorbereitungsphase geht demnächst – analog zum Spielplan der Gruppenphase – mit den Portugiesen weiter. Die haben in Sachen Wein ja einiges zu bieten und sind wohl – zumindest auf dem Papier – der klare Favorit. Wie das mit der Vorbereitung auf die Isländer funktionieren soll, weiß ich ehrlich gesagt auch noch nicht. Vielleicht hat da ein Leser eine Idee?