Eines gleich vorweg. Ein Etikettenschwindel kann auch  POSITIV sein. Das muss deswegen hervorgehoben werden, da dieses Wort eigentlich eine negative Bedeutung hat. Dennoch kommt es immer wieder – auch umgekehrt – vor, dass ein Etikett nicht zum Inhalt passt, weil dieser viel besser ist als der erste Blick auf das Etikett vermuten lässt. So auch bei einem ausgezeichneten Birnenschaumwein, den ich kürzlich genossen habe.

Jetzt kann man natürlich eine lange Diskussion darüber führen, was denn nun ein schönes oder passendes Etikett sei. Man kann trefflich darauf hinweisen, dass Geschmack ja wohl etwas Subjektives ist und man darüber eigentlich nicht streiten kann, oder gar einen Beitrag auf einem Blog darüber schreiben sollte. Ja, das kann man natürlich alles sagen. Ist mir aber egal. Für mich ist das Etikett auf einer Flasche etwas sehr Wichtiges (vergleichbar mit dem Cover eines Buches) und beeinflusst meine Kaufentscheidung enorm. Das Auge trinkt mit.

Als geborener Mostviertler hat man ja – vor allem wenn man so wie ich schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat – in Sachen Most einiges erlebt. In meiner Jugend waren das oftmals ziemliche „Sauerampfer“, meist unsauber, dumpf und insgesamt sehr lieblos hergestellt. Der Most hatte in weiten Teilen damals auch einen schlechten Ruf. Und das leider völlig zu Recht.

Seither hat sich aber wirklich viel im Land der, bald wieder wunderschön blühenden, Birnbäume geändert. Nicht zuletzt ist das auch ein Verdienst der Mostbarone, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die lange Tradition rund um den Most zu pflegen und diese für die Zukunft weiterzuentwickeln. Mit Erfolg, wie etwa die ausgezeichneten Gourmet-Moste beweisen.

bluehender-birnenbaum

Letztes Wochenende wurde mir ein neuer Birnenschaumwein vom Mostbauernhof Distelberger (einer der Mostbarone, und ein Aushängeschild in Sachen Qualität) angepriesen. „18 Monate auf der Hefe, Méthode champenoise und überhaupt vom Feinsten“. Bitte, her damit!

Das was ich dann ins Glas bekommen habe, war definitiv das Beste, was ich bisher in Sachen Birnenschaumwein getrunken habe. Helles gelb, lebendige Perlage mit feingliedriger Frucht, nicht ganz trocken und richtig elegant. Ein toller Aperitif und sicher ein würdige Alternative zu „normalen“ Sekt & Co. (Wenn man – so wie ich – diesen besonderen Geschmack mag.)

Der Inhalt hat mich also begeistert. Ein wenig geschreckt hat es mich allerdings, als ich danach die Flasche mit dem Etikett gesehen habe. Gar nicht deswegen, weil es mir nicht gefällt (ich finde es prinzipiell nicht überwältigend, aber ich habe schon Schlimmeres gesehen), aber es entspricht so gar nicht dem Bild, das ich mir anhand des Kostens davor gemacht habe. Mein Gaumen hat in meinem Gehirn ein Bild einer einer dunklen Flasche mit einem edlen Etikett „entstehen lassen“. Vor mir hatte ich dann allerdings ein billig wirkendes Etikett, das eher an Ribiselwein vom Diskonter erinnert hat. Die méthode champenoise hat definitiv mehr verdient!!

Fazit: Etikett hin oder her, es entscheidet noch immer der Inhalt. Und der ist ausgezeichnet. Klare Kaufempfehlung. (Und vielleicht passt sich ja im nächsten Jahr das Erscheinungsbild an die Qualität des Inhalts an)

 

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