Cabernet Sauvignon wurde in Österreich Anfang der 1980er Jahre angebaut und ist erst seit 1986 eine „offiziell“ zugelassene Rebsorte. Gemeinsam mit dem Einsatz von Barrique-Fässern begann damals ein regelrechter Boom, der sich auch in meinem Legendenpaket niedergeschlagen hat. Vier der zehn Weine sind reinsortige CS. So auch zwei aus dem Hause Gager – 1990 und 1992.

Aus marketingtechnischer Sicht ist mir bei meinem Legendenpaket übrigens aufgefallen, dass die meisten dieser Weine entweder heute noch immer dasselbe Etikett haben wie damals, oder zumindest ein großer Wiedererkennungseffekt besteht. Das finde ich toll. Besonders ausgeprägt ist das bei den beiden Gager Weinen. Diese blauen Quadrate wurden 1989 für den Cuvee Quattro (nicht ganz unpassend) eingeführt, und sind ein echtes Markenzeichen geworden. Das war damals ein mutiger – und langfristiger – Schritt, denn diese Quadrate werden wohl nie unmodern werden.

Nachdem wir schon die beiden Opus Eximium 1990 und 1993 unter der fachkundigen Mithilfe meiner Familie im Relaxresort Kothmühle verkostet haben, haben wir uns diesmal (wieder begleitet durch ein fabelhaftes 4 Gang-Menü) gleichzeitig die zwei „Gagers“ vorgenommen.

Beide Flaschen waren wieder optisch in einem sehr gutem Zustand. Auffällig war nur der Unterschied beim Füllstand: „Top Shoulder“ beim 90er und „into neck“ beim 92er. Die Korken waren ebenfalls in Ordnung, wenn man mal davon absieht, dass ich aufgrund ziemlicher Unfähigkeit (gepaart mit der üblichen Prä-Wein-Nervosität) den Korken des 90er abgerissen habe. Es ist aber nix passiert (außer dem üblichen „schussel nicht so“ Blick meiner Frau).

 

Der 90er kam dann etwas brauner (versehen mit etwas Wasserrand), als sein „jüngerer“ Bruder, ins Glas. Hoffentlich ist er nicht hin, war mein erster Gedanke. In der Nase etwas Rumtopf, aber auch Cassis-Noten. Nein, ich glaub hin ist er nicht. Am Gaumen dann ein bisserl was von Pflaumen, aber auch noch typische Cassisnoten, unterlegt von passender Säure. Er lebt, und schmeckt besser als er aussieht. Mal sehen wohin das führt.

Zu Beginn noch etwas weitmaschiger, wurde der alte Herr überraschenderweise (denn das war entgegen unserer Vermutung) im Laufe des Abends dichter, und somit besser und besser. Ein in Würde gealterter österreichischer Rotwein, der richtig Spaß gemacht hat! Den man aber – sollte man so einen im Keller haben – JETZT trinken sollte.

Ganz anders die 92er Version des CS. Schöne – noch jugendliche – Farbe mit typischer Cassis-Note in der Nase. Auch am Gaumen, aber unterlegt mit jeder Menge Tannin und rescher Säure. Wirkte der Wein zunächst dadurch vielleicht noch etwas ruppig (das mag aber auch dem ersten Schluck nach dem umittelbar davor gekosteten weichen 90er geschuldet sein) war dies schnell vorbei und erpräsentierte sich – trotz seines stolzen Alters – als wunderbarer, kraftvoller Cabernet, der auch noch in einigen Jahren richtig gut sein wird.

Einsatz: EUR 1 pro Flasche
Gewinn: Beide 1-35, also Jackpot!

Zwischenfazit – Legendenpaket: Ich habe bisher 7 der 10 alten Weine verkostet und davon hatten nur zwei („Das Phantom 1989“ und der „Cuvee Renommee 1995“ von Johann Heinrich) ihr Leben schon ausgehaucht. Der Rest war ganz außergewöhnlich und bemerkenswert. Es macht einfach eine Riesenfreude zu sehen, dass die Weine des frühen österreichischen Rotweinwunders auch 20-25 Jahre danach noch so wunderbar sind.

Wie wird das erst mit den aktuellen Weinen (z.B. Jahrgang 2011 oder 2015) sein? Schatz, wir brauchen einen Weinkeller!!

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