In Bezug auf Essen und Trinken habe einen sehr unmodernen Zugang. Ich esse und trinke was mir schmeckt, und ich nehme keinerlei Rücksicht auf dahinter liegende (moderne) Ideologien oder Trends. Eher im Gegenteil, ich finde gewisse Entwicklungen im Lebensmittelbereich schon ziemlich grotesk. Tofu-Ente fällt mir da sofort ein! Ist nun aber auch alkoholfreier Wein eine solche Verirrung?Aber zuerst noch ein Wort zur Tofu-Ente, da mir das ein Anliegen ist. Kein Mensch würde auf die komplett hirnverbrannte Idee kommen, um sein Fahrrad herum eine Autokarosserie zu bauen um dann gleichzeitig der ganzen Welt ungefragt mitzuteilen, dass er zwar Rad fährt, aber es dennoch wie ein Auto aussieht. Dennoch essen Menschen aus Tofu gebastelte Würstel, Schweinsbraten, Enten und was weiß ich noch alles. Wir irre ist das bitte?

Aber zurück zum Wein. Dieses alkoholisches Getränk ist seit vielen tausend Jahren ein kostbares Kulturgut. Seit einigen Jahren steigt das Angebot (und die Nachfrage?) für alkoholfreien Wein. Diesem wird bei der Erzeugung mittels eines Vakkuumverfahrens der Alkohol entzogen. Dem neugierigen und interessierten Connoisseur (also z.B. mir) stellt sich die grundsätzliche Frage, wie sich dieses Verfahren auf den vormals alkoholischen Wein auswirkt und ob das dann auch noch Spaß macht. (Könnte man nicht gleich Traubensaft trinken und sich die Vergärung ganz sparen?)

Ich bin dieser Frage kürzlich mit der Verkostung eines Grünen Veltliners, eines Merlots und eines Sekts (alle drei ohne Alkohol) nachgegangen. Das Ergebnis war (haha!) ernüchternd! Alle drei „Flüssigkeiten“ haben jetzt nicht schlecht geschmeckt, waren aber ziemlich belanglos, schal, und nicht wirklich als Weine zu erkennen. Der Veltliner war aufgrund einer recht frischen Säure noch am ehesten bemerkenswert. Der Merlot war wie ein mit Wasser verlängerter Traubensaft und der Sekt hat – obwohl trocken – an diese „lustigen“ Kindergeburtstagsgetränke erinnert.

Um den Vergleich zwischen dem Wein mit bzw. ohne Alkohol ganz genau bewerten zu können, müsste man natürlich wissen, wie der Wein davor noch mit Alkohol geschmeckt hat. Vielleicht waren diese Weine auch mit Alkohol nicht gut, und man hat sie so zumindest zu etwas „Besonderem“ gemacht.

Interessant wäre auch, wie denn ein Gabarinza oder ein Sauvignon Blanc Zieregg nach dem Vakkuumverfahren schmecken würde. Aber darauf lassen sich die Herren Heinrich und Tement wohl nicht ein! Und zwar völlig zu recht!

Wie dem auch sei: Das Versprechen als alkoholfreie Alternative zu einem guten Essen halten diese Weine aus meiner Sicht nicht. (Ja, vielleicht – theoretisch! – zur Tofu-Ente). Wenn also schon alkoholfrei zum Essen, dann für mich wohl lieber Wasser. Und wenn Wein, dann bitte richtigen! Denn das Leben ist definitiv zu kurz um alkoholfreien Wein zu trinken!