Im Duden wird „Opus Eximium“ mit „herausragendes, außergewöhnliches Werk“ übersetzt. Als Synonym wird auch „Glanzstück“ angegeben. Dass nun die Mehrzahl von opus leider nicht opi sondern opera lautet, mag ein kleiner Nachteil für Freunde des einfachen Humors und solche, die nicht an der Last übermäßiger humanistischer Bildung zu tragen haben (also ich), sein. Nichtsdestotrotz hatte die Familie Gesellmann 1988 den Mut, das Selbstvertrauen und vor allem auch den Weitblick ihre erste Cuvee so zu benennen. Völlig zurecht! Denn von dieser unglaublichen Erfolgsgeschichte, wird es bald die 26. Ausgabe (Jahrgang 2013) im Handel zu kaufen geben.

Man darf also getrost von einer österreichischen Wein-Legende sprechen! Dementsprechend war es dann auch nur fair, dass gleich zwei dieser Weine bei meinem Legendenpaket dabei waren. Nämlich die Jahrgänge 1990 (Cuvee No. 3) und 1993 (No. 6). Ursprünglich war der Opus Eximium (und so auch meine beiden Flaschen), als Blend aus Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon, Pinot Noir und Sankt Laurent internationaler ausgerichtet. Mittlerweile ist es aber eine richtige österreische Cuvee aus Blaufränkisch, Zweigelt und St. Laurent.

Ich habe nun einen Besuch bei meiner Familie im Relaxresort Kothmühle zum Anlass genommen, die beiden „Opis“ für eine gemeinsame Verkostung mitzunehmen. Ein formidables 4 Gang Menü am brandneuen „Chef’s Table“ in der ebenso neuen Küche des Restaurants erwies sich als angemessene Begleitung für die beiden alten Herren.

Wie alle anderen Weine dieses Pakets, waren auch die beiden „Opis“ äußerlich in einem hervorragenden Zustand. Der 1993 mit „into neck“ und einem perfekten Korken sogar noch etwas besser als der 1990er, der aber mit „top shoulder“ und ebenfalls intaktem Korken dem etwas jüngeren „Bruder“ nur wenig nachstand.

Opus Eximium Füllstand2   Opus Eximium Füllstand

An diese Aufregung, wenn man mit großer Hoffnung und Erwartung eine besondere Flasche öffnet, den Kork begutachtet, ein wenig an der Flasche schnuppert, den Wein dann ins Glas leert, die Farbe studiert, den Geruch aufnimmt und mit geschlossenen Augen den ersten Probeschluck macht, werde ich mich niemals gewöhnen! Will ich auch gar nicht, denn es ist ein Fest für alle Sinne und jedesmal wieder etwas ganz Besonderes.

In diesem Fall wurde ich dabei von einigen sehr neugierigen Augenpaaren beobachtet und ich musste – um die anderen nicht zu beeinflussen – diesen hochspannenden Vorgang zumindest nach außen ohne besondere Reaktion absolvieren (Pokerface!). Das war gar nicht leicht, denn innerlich habe ich jubiliert!

Es war nämlich sofort klar: beide Weine intakt – beide Weine geil!!

Der 1990 (12,5 %) war in der Nase und im Geschmack von Anfang an seidenweich, elegant, fruchtig und ausbalanciert. Wir waren gleich hellauf begeistert, aber uns auch einig, dass er eventuell mit der Zeit etwas weitmaschiger werden – und somit vielleicht etwas verlieren – könnte. Das Gegenteil war aber der Fall. Bis zum letzten Schluck, rund 2 Stunden später, präsentierte er sich tip top und war ein echter Hochgenuss. Dennoch glaube ich, dass man diesen Wein jetzt trinken sollte da er wohl mit weiterer Flaschenreife abbauen wird.

Der 1993 (13,5%) hingegen war farblich dunkler und in der Nase kräftiger. Dieser Eindruck bestätigte sich dann auch nach dem ersten Schluck. Mehr Kraft, mehr Tannin, mehr Struktur und Komplexität – und insgesamt frischer und saftiger – als der 90er. Auch hier waren wir uns einig (und sollten diesmal auch recht behalten), dass er mit etwas Luft noch besser werden würde. Klasse! Ebenfalls ein Wein, den alle Beteiligten wohl nicht mehr vergessen werden, und der mit seiner Vitalität sicher auch noch in einigen Jahren richtig Spaß machen wird.

Ob nun der seidenweiche 1990er oder der kräftigere 93er besser war, ist reine Geschmacksache. Ich persönlich kann es eigentlich gar nicht sagen, da ich beide Weine – mit ihrer unterschiedlichen Stilistik – wunderbar gefunden habe. Ich habe vielleicht sogar eine leichte Tendenz zum 90er, da er meine Erwartungen noch mehr übertroffen hat, als der 93er, von dem ich schon gehofft habe, dass er super sein wird.

Einsatz: 1 EUR pro Flasche
Gewinn: Jackpot!! Leider gibt es beim Roulette ja nur 1-35, denn das reicht für die beiden Flaschen eigentlich nicht aus. Dieser Meinung ist übrigens auch der Markt, da z.B. der 1990er Opus online um mehr als 50 EUR angeboten wird.