Nachdem ich ja letzte Woche dieses unglaubliche österreichische Legendenpaket nach Hause gebracht habe, musste ich erst einmal ein paar Tage durchschnaufen und das Ganze sacken lassen. Ganz untätig war ich während dieser Zeit aber nicht, denn ich musste mir ja einen Plan zurechtlegen, in welcher Reihenfolge ich die erworbenen Weine verkosten werde. Wenn jetzt jemand glaubt, dass das eh kein Problem sein kann (z.B. von links nach rechts oder alphabetisch), dann hat er leider keine Ahnung von den Gedanken, die diesbezüglich in meinem Kopf abgehen.Inline-Bild 1

Wie immer, wenn ich neue Weine für Weinroulette erwerbe, mache ich eine umfangreiche Hintergrundrecherche. Da werden Jahrgangstabellen, Verkostungsnotizen und Artikel der Fachpresse durchforstet. Man will ja wirklich nicht komplett unvorbereitet in die Verkostung gehen. [Ein kleiner Nachteil dabei ist, dass ich dadurch immer mit einer gewissen Erwartung (meine Frau sagt dazu sogar „Vorurteil“, aber das ist gemein) an die Sache herangehe!]

Mit der aktuellen Recherche war jedenfalls schnell klar, dass „Das Phantom“ mein erster Wein dieser Serie sein wird. Zum einen ist der 1989er der älteste Wein meines Legendenpakets, und zum anderen war „Das Phantom“ eine der ersten (wenn nicht sogar die erste) Cuvées in Österreich. Somit also mehr als würdig und recht für den Start.

Wie schon öfters beschrieben, hat in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts im Burgenland eine erste massive Qualitätsoffensive begonnen. Neue Sorten, wie der Cabernet Sauvignon oder auch Merlot und Syrah, wurden ausgepflanzt. Es wurde begonnen mit Barriques zu experimentieren, und dann – eigentlich als logische Konsequenz – wurde 1987 im Hause Kirnbauer in Deutschkreutz der erste Wein aus Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon und Merlot – Barrique ausgebaut – zu einer Cuvée verschnitten. Das alleine wäre schon ein Meilenstein gewesen, aber dann hat man diesem Wein auch noch einen Phantasienamen gegeben: „Das Phantom“! A new star was born, und eine neue Zeitrechnung ist damit angebrochen, da einige Winzerkollegen mit dem Folgejahrgang 1988 ebenfalls ihre ersten Cuvées (natürlich mit Phantasienamen, wie z.B. Opus Eximium) auf den Markt gebracht haben.

Ich habe „Das Phantom“ in den letzten 15 Jahren x-mal verkosten dürfen und wurde nie enttäuscht. Das ist ein Klassewein mit einem tollen Preis-Leistungs-Verhältnis und auch ein tolles Geschenk, z.B. als Mitbringsel für einen geselligen Abend mit Freunden. Diese Phantome waren aber alle relativ jung, saftig und voller Kraft.

Belastet mit diesen Erinnerungen, den Informationen aus meiner Recherche und den Erfahrungen, die ich erst kürzlich mit einem 1986er Barrique Wein aus Österreich gemacht habe (Mausetot!), habe ich gestern mein 1989er Phantom geöffnet.

Ich würde es so beschreiben: es ist, wie wenn man einen ganz alten Menschen trifft. Die Kraft, Stärke, Dynamik und Eleganz der jungen Jahre sind längst passé. Aber man kann – wenn man genau hinsieht – in den Augen noch das Funkeln und den Glanz der wunderbaren Jugendzeit erkennen!

Einsatz: EUR 1,-
Fazit: Es war mir eine Ehre diesen Wein verkostet zu haben!

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