Das Jahr 2016 hat durchaus spektakulär begonnen. Gleich am 1. Jänner konnte ich von einem willhaben.at User am Schwedenplatz einen Riesling 2013 vom Weingut Harrer um 3 Euro erwerben. Ein Riesling aus dem Burgenland ist an sich schon ein Minderheitenprogramm, aber dann auch noch ein auf der Maische vergorener, das ist schon eine irre Sache!

Vorweg ein kleiner Exkurs: Ich halte die „Orange Wine“ Bewegung für eine totale Verirrung und bin fix davon überzeugt, dass dieses Pendel auch wieder in die andere Richtung ausschlagen wird. Weine, die um 50 Euro und mehr am Markt landen, und dennoch häufig fehlerhaft, unfertig, unrund und – ganz ehrlich – grauslich schmecken, werden sich wohl hoffentlich nicht durchsetzen. Diesbezüglich ist mir ein italienischer Orange Wine, den ich im Sommer auf der Terrasse getrunken habe, ganz übel in Erinnerung (Mist!), aber auch Orange Weine von renommierten österreichischen Winzern waren aus meiner Sicht schlecht! Deswegen lese ich die Artikel der Fachpresse in denen Orange Weine irrationalerweise komplett gehypt und dann dementsprechend bewertet werden, auch stets mit großem Kopfschütteln.

Allerdings habe ich vor Winzern, die ihre Betriebe auf biodynamisch, „im Einklang mit der Natur“ oder Demeter umstellen ganz großen Respekt, da diese Produktionsweise sehr aufwendig ist und diese Leidenschaft im Alltag viele Probleme mit sich bringt, die erst einmal gemeistert werden müssen.

Einer dieser Winzer ist Hans Peter Harrer, der quasi im zweiten Bildungsweg das Weingut seines Großvaters übernommen hat. Die Qualität seiner Trauben muss sehr gut sein, da er einen Teil noch immer an burgenländische Winzergrößen weiterverkauft. Seit einigen Jahren vinifiziert er aber auch selbst Weine – auf seine Art. Und die ist ganz sicher nicht Mainstream, wie auch der vorliegende Riesling beweist.

Im Burgenland fällt nur knapp ein Prozent der Weinanbaufläche auf den Riesling, Tendenz stark fallend. Das kommt nicht von ungefähr, da die Terroirbedingungen in weiten Teilen Niederösterreichs (Wachau, Krems-, Kamp- und Traisental, aber auch im Wagram und Weinviertel) einfach viel besser passen und burgenländische Rieslinge da nicht mithalten können. Ist mir doch wurscht, denkt sich da der Harrer und versucht erst gar nicht einen vergleichbaren Riesling zu machen. Das merkt man schon in der Nase, die überhaupt nicht an Riesling erinnert, sondern eher an eine Kräuterwiese. Schöne Säure, deutliche Tannine und weit und breit kein sonst so übliches Steinobst. Der will nicht gefallen, sondern der gefällt, oder eben nicht. Auf jeden Fall hochinteressant und eine Horizonterweiterung.

Fazit: Mir ist komplett egal, wie ein Wein gemacht wird, da ich absolut kein Interesse an der Ideologie dahinter habe. Ich möchte, dass mir der Wein schmeckt und das tut er, dieser Riesling der anderen Art vom Harrer.

Einsatz: 3 EUR
Gewinn: 1-5, Schöner Gewinn – das Risiko hat sich ausgezahlt.

 

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