Deutschland und ich. Eine Geschichte voller Missverständnisse, getragen von ausgeprägter Ambivalenz, die auch einen tiefen Einblick in meine diesbezüglich „fragwürdige Psyche“ (wie es meine Frau immer so nett nennt) offenbart. Inline-Bild 1

Ich gebe es offen zu: Ich liebe dieses Land! Ich bin sehr gerne dort und ich mag auch die Menschen mit allen ihren Facetten und Unterschieden zwischen Süd und Nord. Es beeindruckt mich die wirtschaftliche und politische Macht und auch der Wille diese zum Wohle Europas gestalterisch einzusetzen. Da wird einfach sehr, sehr viel richtig gemacht und man kann davor nur den Hut ziehen. 

Aber, ich hasse dieses Land auch! Sobald es auch nur den Hauch einer sportlichen Auseinandersetzung zu erkennen gibt (und zwar egal, ob Österreich überhaupt daran teilnimmt), wünsche ich mir nichts sehnlicher als eine deutsche Niederlage. Egal ob Ballsport, Motorsport, Skisport oder andere Sportarten, die mich vielleicht im Grunde gar nicht interessieren (z.B. Synchronschwimmen). Das ist jetzt auch keine vorübergehende Erscheinung, nein, das hat sich bei mir schon im zarten Teenageralter manifestiert. Wenn ich so darüber nachdenke, war wohl die „Satellitenschüssel“ schuld. Bei der Fußball-WM 1990 bin ich den Deutschen noch neutral gegenüber gestanden, aber nachdem wir 1992 zuhause Sat-TV bekommen haben, war es damit gänzlich vorbei. Bei der EM 1992 in Schweden habe ich schon den Dänen im Finale zugejubelt!

Das einzige was uns trennt ist die gemeinsame Sprache„!

Diese – vorsichtig formuliert – Abneigung treibt oft wilde Blüten. So ist es mir zuhause zum Beispiel neuerdings striktest verboten (von meiner eigenen Frau!) bei Sport TV-Übertragungen – je nach Zwischenstand – zwischen deutschen und österreichischen TV-Kanälen hin und her zu schalten. Eine unglaubliche Einschränkung meiner persönlichen Lebensqualität, da das weinerliche Geheule des ARD-Fernsehmoderators, wenn der 4. Staffelläufer der Deutschen beim Biathlon eine Strafrunde „schießt“, einfach meiner – von offensichtlich massiven Minderwertigkeitskomplexen geplagten – Passivsportlerseele unendlich gut getan hat. Die Fußball-WM 2014 habe ich übrigens gänzlich aus meinem Gedächtnis gestrichen. Die ist leider ausgefallen.

Ich könnte hier noch viel mehr über dieses Thema schreiben, aber ich fürchte, dass muss ich mir für den Psychiater aufheben…

Beim Thema Wein hingegen stehe ich Deutschland uneingeschränkt positiv gegenüber. Ich habe da vor allem mit den ganz tollen Pinot Noirs super Erfahrungen gemacht. Die weltberühmten Rieslinge haben diesen Ruf ebenfalls völlig zu Recht. Mit den lieblichen Moselweinen fange ich hingegen eher weniger an. 

Gestern Abend durfte ich einen ausgezeichneten Silvaner 2014 aus der Pfalz vom Weingut Bergdolt, Reif & Nett verkosten. Der kostet Ab-Hof nur unglaubliche 6,- € und ist ein richtig schöner Wein. Sehr fruchtig und frisch, die Säure aber sehr schön eingebunden und süffig. Die Website ist sehr stylish und gefällt mir sehr gut. Auffällig sind auch die vielen Weinsorten und Weinlinien, die das Gut im Angebot hat. Das muss man sich wohl mal genauer ansehen und verkosten.

Offenbar gefällt auch nicht nur mir dieser Winzer sehr gut. Der deutsche Gault Millau schreibt über den 2014er Jahrgang: „Was für eine tolle Leistung bei den Weißweinen! Christian Nett hat bei ihnen den Jahrgang offensichtlich mit dem Vollspann erwischt.“ …womit wir wieder bei der gemeinsamen Sprache und dem Fußball wären…

Fazit: Gottseidank gibt es keine im TV übertragenenen Länderkämpfe zwischen deutschen und österreichischen Winzern! Sonst würde ich diese tollen Weine unserer Nachbarn möglicherweise nicht trinken, und das wäre wirklich schade!!

*Der Titel ist übrigens nicht von mir (so etwas würde mir wirklich niemals über die Lippen kommen!!), sondern von diesem Herrn hier: