Eines vorweg: Die Voraussetzungen für einen richtig langweiligen Bericht könnten wohl nicht „besser“ sein. Ein Winzer aus Niederösterreich macht einen Grünen Veltliner und verkauft diesen um 10,- €. Das gibt es tausendfach jedes Jahr. Schnarch², würde man also meinen! Doch ein gemütlicher Abend mit Freunden hat mich eines Besseren belehrt!

Nun geht das Weingut Netzl aus Carnuntum als aktueller „Falstaff-Winzer des Jahres“ und als „Falstaff-Sieger“ der diesjährigen Rotweinprämierung aber definitiv nicht mehr als „hidden champion“ durch. Auch ist der Anlass dieser Zeilen, ein Grüner Veltliner Bärnreiser 2012, kein auf willhaben erstandener Wein, sondern war ein Mitbringsel eines Gastes zum Ganslessen bei mir zuhause.

Egal! Ausnahmen bestätigen die Regel und worüber ich schlussendlich schreibe, bestimmte ja immer noch ich.  (Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern!)

Also zum Netzl-GV: Ich hatte bisher von diesem Wein noch nie etwas gehört, und mit der Lage Bärnreiser immer nur Rotweine in Verbindung gebracht. Da mir mein Gast aber schon vorgeschwärmt hat wie toll der Wein sei (no na, er hat ihn schließlich mitgebracht!) war ich natürlich sofort sehr neugierig. So haben wir den GV auch gleich zur Gänsebrust geöffnet, und meine Reaktion beim ersten Schluck war: WOW! Was für ein geiles Teil! Ganz vielschichtig und komplex. Man merkt den Holzeinsatz, der aber wunderbar eingebunden ist und den tollen Charakter des Veltliners verstärkt. Ein cremiger Wein mit richtig Schmelz und noch viel mehr Trinkspaß. Hochspannend, und trifft genau meinen Geschmack!

Wie bei mir üblich, hab ich mich dann sofort im Internet schlau gemacht und versucht etwas über den 2012er herauszufinden. Komischerweise fand ich z.B. auf falstaff.at nichts dazu. Mit einem Blick auf die Winzerseite war das dann aber schnell erklärt. Der Wein wurde zwar am 4.10.2012 gelesen, ist aber erst jetzt im Dezember 2015 gefüllt worden. Dieser wunderbare Stoff durfte sich also mehr als drei Jahre beim Winzer entwickeln und ist nicht – wie leider so oft – viel zu schnell gefüllt, verkauft und getrunken worden. Komplett perplex war ich dann, als ich gesehen habe, dass man den um 10,- beim Netzl erwerben kann. 

Einsatz: EUR 10,-
Gewinn: 1-2, Der Einsatz wird mit doppeltem Genuss und Trinkspaß belohnt

Fazit: Man lernt nie aus, und man wird immer wieder auch extrem positiv überrascht. Ein toller Wein mit einem fantastischen Preis-Leistungsverhältnis! Den sollte man wirklich getrunken haben!

Werbeanzeigen