…dann kann er was erzählen. Gemäß diesem Sprichwort bin ich kürzlich unsere diesjährige Reise nach Asien – mit großen Plänen in Bezug auf Weinroulette und das Thema „Wein aus China“ im Gepäck – angetreten.

Für mich war klar, dass es in einer chinesischen Weltmetropole wie Hongkong möglich sein wird, einen Wein vom (angeblich) sechstgrößten Weinproduzenten weltweit zu bekommen. Wo, wenn nicht dort, oder? Weit gefehlt. In den vielen (auch einheimischen) Lokalen, Bars und Restaurants, die wir besucht haben, gab es Weine aus der ganzen Welt. Vorzugsweise aus Neuseeland und Australien, aber auch die üblichen Verdächtigen aus Italien, Frankreich und Spanien. Aber kein chinesischer Wein weit und breit! Nicht einmal ein grauslicher Pflaumenwein nach der Acht-Schätze-Ente wurde uns angeboten. Meine diesbezügliche Frage bei den Kellnern hat auch nur ein irritiertes Kopfschütteln a la „depperte Frage von einem depperten Touristen“ (aber natürlich mit einem freundlichen Lächeln) ausgelöst.

So ruhte dann all meine Hoffnung auf einen netten Wein-Reise-Bericht auf Dubai, wo wir am Heimweg nach Österreich einige Tage Halt gemacht haben. Nur ist es in einem muslimischen Land schon prinzipiell nicht so einfach, etwas Brauchbares zu Trinken zu bekommen. Die meisten Lokale haben keine Alkohollizenz (und ein Bericht über Minztee lockt hier wohl keinen hinterm Ofen hervor), und wenn doch, dann sind die Preise für Wein absurd hoch. Einen Grünen Veltliner von Laurenz V. um umgerechnet 70€ finde ich nämlich echt nicht besonders anziehend, und so habe ich meine  Blog-Pläne schon zu Grabe getragen!

Dubai Grill

 

Bis eine Freundin – die seit Jahren in Dubai lebt – uns an unserem letzten Abend zu sich „zum Grillen“ eingeladen hat. Ich war schon ein wenig skeptisch, was denn „Grillen“ in einem Dubaier Wolkenkratzer sein kann, und hatte mir gedanklich einen Elektrogrill in einer extrem unterkühlten Wohnung vorgestellt. Ich wurde dann aber extrem überrascht. Die Gute hat einfach einen Weber Kugelgrill im 26. Stock am Balkon angeheizt (was ziemlich sicher nicht erlaubt ist) und dort fantastische Steaks und gegrillte Scampi gezaubert. Das ganze bei Dämmerung, angenehmen 25 Grad, in Mitten von zig Hochhäusern und einem unglaublichen Blick auf das Meer und „The Palm“. Verrückt!

Dort bin ich dann auch ENDLICH zu meinem Wein gekommen. Einem – nicht nur unter diesen Umständen (immerhin war ich seit Tagen weintechnisch am Trockenen und von der Gesamtsituation ziemlich überwältigt) – fantastischen südamerikanischen Weißwein: Einem Delheim Sauvignon Blanc/Chenin Blanc 2014

Delheim

Fazit: Auch, wenn es gar nicht mehr danach ausgesehen hat, war es dann doch noch ein unvergessliches Ereignis und letztendlich auch eine Geschichte wert. Wer kann schon von einem so feinen Grillabend in Dubai erzählen? Eben!