Tja, jetzt kommt langsam die Zeit der penetranten Beschallung mit Weihnachtsliedern, und mich würde interessieren ob der geneigte Leser DAS Lied heuer schon gehört hat? Nicht? Na, dann bitte ich um einen Klick (LINK), denn ich will wirklich der erste sein, der Euch heuer damit auf die Nerven geht!Inline-Bild 1

Sobald also George Michael aus den Boxen trällert, geht bei mir auch der Weihnachtswein-Stress los. Weihnachten und mein damit verbundener Wein-Stress ist nämlich der eigentliche Ursprung dieses Blogs. Begonnen hat alles im Advent 2009, als ich zum ersten Mal auf ebay wirklich konsequent auf der Suche nach einem tollen Wein zu einem tollen Preis war. Ich wollte das Fest, und vor allem das Festessen, einfach mit einer besonderen Flasche veredeln. Wochenlang habe ich hunderte Auktionen verfolgt. Hintergrundrecherchen über die Angebote angestellt und viel hin und her überlegt. Die Spielregeln waren (und sind bis heute): der Wein muss Jahrgang 1990 oder älter sein, darf nicht über 200 EUR kosten, muss aber dennoch ein richtiges Schnäppchen sein.

Geworden ist es dann ein Mouton Rothschild 1988 (mit dem legendären Bild von Keith Haring drauf), den ich damals auch noch erheblich unter EUR 200 ersteigern konnte. Wie sich nämlich heraus gestellt hat, war der 88er lange ein schlafendes Dornröschen und somit von Parker & Co damals noch nicht mit überbordendem Lob versehen. Mittlerweile ist Dornröschen aber längst vom Prinzen (war es vielleicht gar ich?) zum Leben erweckt worden und wird regelmäßig mit 95+ Punkten bedacht. Dementsprechend bekommt man die Flasche auf keinen Fall mehr unter EUR 350. Der Mouton war einfach fantastisch! Ein unvergessliches Erlebnis, das alles was wir bisher getrunken haben in den Schatten gestellt hat. 

Seither ist es nun jedes Jahr ab Oktober das selbe Spiel! Zum Leidwesen meiner Frau, die sich in den Wochen vor Weihnachten hunderte Weinbeschreibungen von Parker, Falstaff und vom Wineterminator durchlesen muss. Die Spielregeln (und dabei vorallem Punkt 3 (Schnäppchen!) einzuhalten, ist nämlich gar nicht so leicht und bedarf umfassender Vorbereitung und Fokussierung. Diese Energie ist aber nicht verschwendet, denn die Liste unserer bisherigen Weihnachtsweine liest sich wirklich gut:

2010 war es ein Marqués de Murrieta Castillo Ygay Gran Reserva 1968 aus Rioja. Eine unglaublich spektakuläre Flasche, da dieser Wein noch so dicht und kraftvoll war, dass man es gar nicht glauben konnte. Die primären Weinaromen waren schon im Hintertreffen und man hatte eher serbische Bohnensuppe, Kräuter und Tabak am Gaumen. Dennoch ein wirklich tolles Erlebnis.

2011 dann ein Dominus Estate 1990 aus Kalifornien. Bei dem Wein scheiden sich die Geister. Ich fand den Wein sehr gut (aber auch nicht außergewöhnlich) und meine Frau meinte lapidar: Der schmeckt nach Pferd…

Weihnachten 2012 haben wir uns für einen Chateau Montrose 1985 entschieden. Diesen Wein haben wir nicht übers Internet bestellt, sondern er war eine Empfehlung einer Weinhandlung in Wien 1. Ich wurde da vom – hervorragenden – Verkäufer etwas überrumpelt (ich hatte nämlich schon einen Gaja 1986 im Auge) und hab dann zuhause wegen des scheinbaren Fehlkaufs wochenlang herumgezickt, dass es eine Freude war. Der Montrose war dann aber ganz feiner Bordeaux, der uns wirklich Spaß gemacht hat. Die ganze Zickerei also umsonst…

2013 wurde dann babybedingt ausgelassen, da nur geteilte Weinfreude wirklich große Weinfreude ist.

Im letzten Jahr war es dann wieder ein Internetkauf, nämlich ein 1983 Bordeaux Chateau Pichon Longueville Comtesse de Lalande. Ganz, ganz feine Ware und ein würdiger Wein für den besonderen Anlass!

Die Vorbereitungen für Weihnachten 2015 haben längst begonnen und es stellt sich die Frage, an welchen Wein ich heuer mein vinophiles Herz verliere werde…

„…this year, to save me from tears, I’ll give it to someone special…“