Wenn es überall Sturm zu kaufen gibt, weiß man, dass der Herbst endgültig ins Land gezogen ist. Ich möchte heute über einen ganz besonderen Sturm berichten: Nämlich den Schilchersturm vom Wiener Graben, der an einigen Wochenenden im Jahr (meist vom vorletzten September-Wochenende bis inkl. dem zweiten Oktober-Wochenende) in Wien 1 zu bekommen ist.

Diese Schilchersturm-Tradition am Graben gibt es schon verdammt lange. So lange, dass ich schon gar nicht mehr genau weiß, wann ich das erste Mal dort vorm Cafe Europa diesen Göttertrank erworben habe. Ich bezahlte es auf jeden Fall noch mit Schilling (und mit bitterem Kopfweh und sonstigen stürmischen „Begleiterscheinungen“).

Angeboten wird dieser Schilchersturm vom Weingut Wildbacher. Klingt komisch, ist es auch! Immerhin wird Schilcher ja aus der Blauen Wildbacher Traube gepresst. Es ist also nur würdig und recht, wenn man am Graben den Blauen Wildbacher Sturm vom Herrn Wildbacher selbst verkosten darf.

Was adelt nun den Schilchersturm? Waraus ergibt sich seine Erhabenheit gegenüber der stürmischen Konkurrenz? Ganz klar: Es ist – wie so oft im Leben – das wunderbare Zusammenspiel von süß und sauer, das dieses Getränk zu etwas Besonderem macht! Die resche Säure des Schilchers harmoniert perfekt mit dem Zucker des halbvergorenen Traubenmosts (der mir bei einem „normalen“ Sturm einfach zu viel ist), und diese geniale Kombination führt zu einem besonders intensiven Geschmackserlebnis.

Der Zucker, dieser Lauser, ist aber auch noch für andere lustige Reaktionen im Körper verantwortlich. Zum einen transportiert er den Alkohol wie eine Rakete blitzschnell ins Blut. Zusätzlich merkt man aufgrund der heimtückischen Süße den Alkohol geschmacklich auch nicht wirklich und trinkt dann vielleicht noch einen dritten, vierten, fünften….

Und – last but not least – wirkt sich das alles auch noch äußerst anregend auf den Darm aus, der den Herbst dann auch mit lautstarken Fanfaren begrüßt! Nervöse Verdauer verbringen dann auch schon mal die halbe Nacht am plötzlich gar nicht so stillen Örtchen…

Mit einem wissenden Schmunzeln beobachte ich jedes Jahr am Graben auch naive und unschuldige Touristen (vornehmlich japanische Reisegruppen), die nicht wissen was sie tun, wenn sie hier um 3,20€ ein Viertel bestellen. Ich nehme dann einen großen Schluck und denk mir „ihr müsst erst mal hinschnüffeln, wo ich schon …… habe!

Einsatz: 3,20€ + 3,20€ + 3,20€ (auf leeren Magen)
Gewinn: Damenspitz vom Allerfeinsten, inklusive Rückenwind beim Heimgehen

Mahlzeit!