Mein kleines Internet-Projekt bringt mit sich, dass ich Weinflaschen von verschiedensten Internet-Verkäufern quer durch Österreich (oder auch Deutschland) zu mir nach Wien transportieren lasse. Inline-Bild 1Nachdem ich ein sehr neugieriger Mensch bin, ist natürlich jede Neuerwerbung für mich immer die Wichtigste…. 

Als gelernter und manipulierter TV- Werbe-Konsument weiß ich natürlich auch, dass – wenn es wirklich wichtig ist – ein Paket unbedingt mit der Post verschickt werden muss. Watschelt dann doch ein gelbes Postkastl mit stählernen Wadeln durchs Land und liefert es wohlbehütet bei mir ab, oder so ähnlich!

Kürzlich habe ich von einer netten Verkäuferin aus Tirol ein Zweierpaket erworben. Ein sehr interessanter Wachauer Grüner Veltliner Smaragd Bergwein Kollmütz 2002 (Weingut Eigl) und ein eher weniger interessanter Grüner Veltliner 2006 (Ewald Gruber). Jeweils 2€/Flasche.

Nachdem ich auch ein äußerst ungeduldiger Mensch bin, war ich schon ziemlich irritiert, als die Flaschen nach 6 Tagen noch immer nicht bei mir waren. Am 7. Tag wusste ich dann auch warum. Der Postler lieferte mir – statt des Pakets – nur  einen gelben Abholschein mit der Nachricht, dass die Lieferung leider beschädigt worden sei und ich diese im Postamt abholen müsse.

Ich marschiere (ohne stählerne Waden, so ehrlich muss man sein!) zum Postamt und erlebe folgenden Dialog, nachdem der Postler meinen Schein entgegen nimmt.
Er: Ui, ihre Lieferung ist kaputt und der Chef ist nicht da. Ich muss schauen.
Ich (Grmmmpf)
Er (kommt zurück gestapft. Auch ohne stählerne Wadeln): Das Paket ist nicht bei uns, weil der Auslieferer noch nicht zurück ist.
Ich: Das kann ja wohl nicht sein, weil mir der Auslieferer nur den gelben Schein mit dem Hinweis, ich müsse es in der Poststelle abholen, gegeben hat und das ja dann wohl keinen Sinn macht. Er wird ja nicht eine beschädigte Lieferung mitnehmen, die er mir eh nicht aushändigen darf.
Er (indigniert): Ja, und außerdem ist der Chef nicht da, und nur der kann Ihnen das Paket übergeben. Der kommt am Nachmittag.
Ich (etwas aufgebracht): Das ist ja jetzt wohl ein Witz und kann nicht sein.
Er sieht mich an, sagt einfach nichts mehr und wartet bis ich gehe.
Ich (Abgang erster Akt)

Am Nachmittag gehe ich dann wieder zur Poststelle in Wien 1:

Eine Dame nimmt meinen gelben Zettel entgegen: Puuh, das Paket ist beschädigt. Puuh, ich weiß gar nicht, ob das schon da ist.
Ich (Grmmmpf): Ich weiß, dass das Paket beschädigt ist!! Ein Kollege von ihnen hat mich auf heute Nachmittag vertröstet. Ich würde jetzt gerne mein Paket mitnehmen.
Sie (nachdem sie aus den unendlichen Weiten des Postamts zurückgestapft kommt. Ebenfalls keine stählernen Wadeln.): Das Paket ist zwar da, aber ich kann es Ihnen nicht geben. Das kann nur der Chef und der ist schon im Wochenende. [Anm. Es ist Freitag, 16:43]
Ich (schon etwas wütend): Zuerst macht ihr mir das Paket kaputt und dann bekomme ich es nicht ausgeliefert. Ein Witz. (Abgang zweiter Akt).

Der dritte Akt des zweifelhaften Lustspiels folgt am Montag danach.

Eine andere Dame nimmt meinen gelben Zettel und meint: Ihr Paket ist beschädigt!
Ich (Grmmmpf): Ja, ich weiß! Ich war auch am Freitag schon zweimal deswegen da, und außerdem steht das auch in großen roten Lettern auf dem gelben Zettel!
Sie (marschiert nach hinten – richtig: ebenfalls ohne stählerne Wadeln – und kommt nach zwei Minuten zurück): Das Paket ist da, aber ich kann es Ihnen nicht übergeben. Das kann nur der Chef und der ist jetzt nicht da.
Ich (lache und denke): Der „Chef“ wird wohl der Post-Vorstand sein, der einmal im Monat in jede Poststelle kommt um die beschädigten Pakete höchst persönlich an die „Kunden“ (haha) zu übergeben…
Ich (sage): Ich bin jetzt das dritte Mal da, und der Chef das dritte Mal nicht. Wann kommt er denn mal wieder vorbei?
Sie: Ich bin heute den ersten Tag aus dem Urlaub zurück und ich weiß es leider nicht. Aber ich schreibe ihre Telefonnummer auf und er meldet sich sobald er da ist.

Ich (Abgang dritter Akt)

Keine zwei Stunden später, ein Anruf. Ja, es ist der Chef, persönlich!

Er: Ihr Paket ist beschädigt.
Ich (zähle langsam 21, 22….): Nein, welch Unglück!
Er: Ja, leider ist eine Flasche der beiden Flaschen zerbrochen. Wollen sie das beschädigte Paket überhaupt abholen?
Ich (Grmmmpf): Ja, klar! Und zwar jetzt!
Er: Kommen Sie bitte vorbei.

Ich (auf dem Weg zur Poststelle, mittlerweile mit ziemlich gestählten Waden!)

Er (nachdem er mich in die unendlichen Weiten des Postamts geführt hat): Das Paket war leider äußerst schlecht verpackt [Anm.: Was die nette Verkäuferin vehementest bestritten hat] und leider hat es nur die eine Flasche überlebt [Anm. der viel weniger interessante Grüne Veltliner 2006 und nicht der sehr interessante Smaragd, eh klar].

Ich (übernehme die Flasche und Abgang vierter und letzter Akt)

Fazit: Wenn Scherben Glück bringen, dann wäre jetzt die Zeit mit dem Lottospielen zu beginnen…. UND: Man darf nicht alles glauben, was man im Fernsehen sieht!